Die Anfänge V – Ein Verein wächst

1973 begann die Aufarbeitung der zweiten Dampflokomotive August Bentlage, benannt nach dem damaligen Eigentümer der Gaststätte. Bereits im nächsten Jahr konnte sie in Betrieb genommen werden. Ihr folgten bald zwei weitere Dampfloks aus der DDR.

Die zukünftige Lok 3 Fürst Pückler (Borsig 10364/1919, ex DR 99 3318) wurde im April 1974 aus dem Bestand der Waldeisenbahn Muskau gekauft. Ihr Namensgeber war der preußische Standesherr Fürst Hermann von Pückler-Muskau. Im Juli folgte die bis dahin im RAW Görlitz auf Z-abgestellte Lok 4′ Frank S (Henschel 25983/1941, ex DR 99 4652), benannt nach Frank Seidensticker, dem Sohn des Lokbesitzers Walter Seidensticker.

Die beiden Lokomotiven waren weitestgehend einsatzfähig, so dass der Verein Ende 1974 bereits vier Loks unter Dampf präsentieren konnte.

Um die Fahrzeuge dauerhaft witterungsgeschützt unterzustellen, begann man in den Wintermonaten 1974 bis 1975 mit dem Aufbau einer großen Fahrzeughalle. Ursprünglich diente diese als Kantine auf einer Baustelle des Kernkraftwerks Würgassen in Beverungen an der Weser und konnte kostengünstig von der DKBM erworben werden.

Im Zuge dieser Umbauten wurde die Ausfahrt aus dem Bw in die entgegengesetze Richtung verlegt und durch ein Gleisdreieck an die vorhandene Strecke angebunden. Der Bahnhof Mühlenstroth Kleinbahnhof entstand und wurde zunächst als Rangierbahnhof genutzt.

Unerwartete Hilfe erhielt der Verein im Sommer 1975 bei der Erstellung des Kreuzungsbahnhofs Mühlenstroth Ost. Englische Reservisten des 275. Railway-Squadron vom Royal Transport Corps absolvierten unter Major Churchman und Major Whitterd vom 25. Juni bis zum 30. Juni 1975 bei der DKBM ihre Reservistenübung. In dieser Woche hoben die Soldaten das Erdreich für die künftige Gleistrasse aus, schütteten den Schotter auf und verlegten Schwellen und Gleise. Die Zeit reichte sogar noch für den Einbau der beiden Weichen ins Hauptgleis.

Aufgrund des wachsenden Zuspruchs war es bald nötig, den Personenwagenpark zu erweitern. Die drei alten Wagenkästen aus der Anfangszeit wurden bereits in Spantenbauweise rekonstruiert. Um das Fahrgastaufkommen steigern zu können, wurde der Fahrzeugpark 1975 durch den ersten vierachsigen Personenwagen ergänzt, der zum Stolz der Mitglieder in der eigenen Werkstatt gebaut wurde. Somit verfügte der Verein über vier betriebsfähige geschlossene Personenwagen.

Im gleichen Jahr wurde die Aufarbeitung der Lok 5 (O & K, 12805/1936) in Angriff genommen, die am 5. Oktober 1973 von der Baufirma A. Hoyer GmbH gekauft worden war.

1976 begann man, den hinteren Teil der Fahrzeughalle in Sozialräume umzubauen. So entstanden hier Schlaf- und Aufenthaltsräume, eine Kantine mit Küche, ein Büro und Sanitäreinrichtungen, um den Mitgliedern während ihrer Arbeitseinsätze eine angemessene Unterbringung und Versorgung zu ermöglichen.

Ein weiterer großer Fortschritt war 1976 die Aufstellung des im Vorjahr ausgemusterten Wagenkastens Ci/s 100 als Verkaufsraum am Bahnhof Postdamm. Zwischenzeitlich hatte sich auch das Verkaufsangebot vergrößert. Zylinderöl, ein alkoholisches Getränk, und DKBM-Streichhölzer waren der Renner.

Am 9. Oktober 1977, dem letzen Betriebstag des Jahres, wurde der Bahnhof Mühlenstroth Ost von den Mitgliedern in Bahnhof Rödelheim umbenannt. Der Name leitet sich aus dem Wort »rödeln« (umgangs- bzw. DKBM-sprachlich für »arbeiten«) ab. Der gleichnamige Stadtteil Rödelheim der Stadt Frankfurt am Main war den Vereinsmitgliedern zum damaligen Zeitpunkt nicht bekannt.

In den folgenden Jahren sollte der Verein weiterhin stetig wachsen. So kamen 1977 durch weitere Käufe zahlreiche Güterwagen der Mecklenburg-Pommerschen Schmalspurbahn (MPSB) und der Waldeisenbahn Muskau (WEM) sowie die Brigadelok ex DR 99 3315 (Henschel 15307/1917), ebenfalls aus dem Bestand der WEM, hinzu. Die 99 3315, die später als Lok 6 in den Fuhrpark aufgenommen wurde, wurde somit vor ihrer Verschrottung in der ehemaligen DDR bewahrt.

Die ursprünglichen Pläne sahen vor, die Diana ex DR 99 3312 von der Waldeisenbahn zu erwerben. Die Werbung war schon geplant (s. rechts). Als Ersatz erhielt der Verein doch schließlich die 99 3315. Die Diana ist seit 1998 wieder betriebsfähig und bei der WEM unter ihrer Reichsbahnnummer im Einsatz.

Um das Bild einer Eisenbahnanlage abzurunden, wurde 1978 ein Flügelsignal aufgestellt, welches dem Verein 1976 von der Teutoburger Wald-Eisenbahn (TWE) überlassen worden war. Das Signal sicherte nach seiner Aufstellung bei der DKBM die Einfahrt in den Bahnhof Postdamm.

Der schnelle Anfangserfolg brachte allerdings auch unerwartete Probleme mit sich. Es zeigte sich, dass der leichte Feldbahnoberbau den schweren Lokomotiven und der Personenbeförderung nicht gewachsen war. Daher entschied man sich im Jahr 1978, die verlegten Gleise durch ein stärkeres Profil zu ersetzen. Die gesägten Regelspur-Schwellen wurden ebenfalls entfernt und durch robuste Stahlschwellen ersetzt.

Um die Sicherheitsabstände zwischen Schuppen und Gleisen zu gewährleisten, wurden das Bw abermals umgebaut.

Für die offizielle Taufe und Inbetriebnahme der Lok 6, ex DR 99 3315, am 10. Mai 1978 lud der Vorstand des Vereins den Lokomotivkonstrukteur Richard Roosen ein. Roosen, der für die Firma Henschel in Kassel tätig war, befasste sich unter anderem intensiv mit der Entwicklung von Abdampfkondensation. Er taufte die Lok 6 auf seinen Namen.

Parallel hierzu wurde die Brigadelok 3 Fürst Pückler, ex DR 99 3318, nach dem Ingenieur Adolf Wolff benannt. Wolff war bei der Firma Borsig unter anderem an der Konstruktion der Schnellfahrlokomotive der Baureihe 05 beteiligt.

Die Geschichte der DKBM

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